- →Seit 2019 ist Nofollow ein Hinweis, keine Direktive: Google kann das Attribut übergehen und den Link trotzdem crawlen, indexieren und für Rankingzwecke heranziehen.
- →PageRank-Sculpting per internem Nofollow ist kontraproduktiv: Laut Googles John Mueller bringt das Attribut auf internen Links nichts, es kann Crawl-Budget verschwenden und Google verwirren.
- →Bezahlte und Affiliate-Links ohne sponsored- oder nofollow-Attribut riskieren seit dem Link Spam Update 2025 linkbasierte Abwertungen (iMark Infotech, August 2025).
- →Ein Backlinkprofil ganz ohne Nofollow-Anteil ist kein Qualitätsbeweis, sondern ein Kaufsignal für Googles Spam-Systeme.
- →In Deutschland ersetzt das rel-Attribut die Werbekennzeichnung nicht: die sichtbare Kennzeichnung für den Leser und das Attribut für den Crawler sind zwei getrennte Pflichten.
- →Rund 8 % von über 12.000 auditierten Websites schleppen funktionslose interne Nofollow-Links aus der Sculpting-Ära mit (SEOJuice, April 2026).
Mehr als ein HTML-Attribut: was Nofollow operativ bedeutet
Wer rel="nofollow" 2026 noch als simplen Aus-Schalter für Linkjuice versteht, arbeitet mit einem Modell von 2015. Das Attribut ist eine Beziehungsauskunft: Der verlinkende Publisher erklärt gegenüber Suchmaschinen, dass er für das Linkziel keine redaktionelle Empfehlung ausspricht und bewusst keine Autorität weitergeben will. Ob Google daraus Konsequenzen zieht, entscheidet Google, nicht der Publisher. Genau diese Verschiebung, vom Befehl zur Auskunft, ist der Kern dessen, was ein Profi über Nofollow wissen muss.
In der Praxis begegnet einem das Attribut an drei Stellen: als Wert im rel-Attribut eines einzelnen Links, als seitenweite Anweisung im Robots-Meta-Tag und, seit 2019, als Teil einer Attribut-Familie mit rel="sponsored" und rel="ugc". Alle drei Varianten beantworten dieselbe Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Warum steht dieser Link hier, und wer hat ihn gesetzt? Ein Kommentarlink in einem Forum, ein bezahlter Link in einem Advertorial und ein Verweis auf eine Quelle, für die man nicht bürgen möchte, sind drei verschiedene redaktionelle Situationen, und Google will sie unterscheiden können.
Das Gegenstück ist der Link ohne einschränkendes Attribut, den die Branche als Dofollow bezeichnet, obwohl ein Wert follow im Standard nie existiert hat. Die Unterscheidung prägt bis heute jede Preisverhandlung im Linkeinkauf, oft stärker, als es die tatsächliche Funktionsweise rechtfertigt.
Vom Befehl zum Hinweis: die Mechanik seit 2019
Google hat Nofollow ursprünglich als Antwort auf industrialisierten Kommentarspam in Blogs und Foren eingeführt. Eine weitere Klarstellung betraf das PageRank-Sculpting: Googles John Mueller hat deutlich gemacht, dass Nofollow auf internen Links dafür nichts bringt, sondern eher Crawl-Budget verschwendet und Google verwirrt. Damit war PageRank-Sculpting als Taktik erledigt, auch wenn es in Altbeständen bis heute herumgeistert.
Die wichtigste Zäsur kam 2019 mit dem Blogpost «Evolving nofollow» (Google Search Central, 2019): rel="sponsored" für bezahlte Platzierungen und rel="ugc" für Nutzerinhalte wurden eingeführt, und alle drei Attribute wurden von Direktiven zu Hinweisen umgestuft. Übersetzt heißt das: Google behält sich vor, einen Nofollow-Link zu crawlen, zu indexieren und in die Bewertung einfließen zu lassen, wenn andere Signale dafür sprechen.
Dass dies keine historische Fußnote ist, bestätigen aktuelle Praxisreferenzen: Conductor formuliert im April 2026, dass Google das Attribut ignorieren und die Links für Rankingzwecke heranziehen kann. Wer also im Kundengespräch behauptet, ein Nofollow-Link sei per Definition wertlos, argumentiert gegen die dokumentierte Funktionsweise der Suchmaschine, nicht mit ihr.
Wo Nofollow im Netlinking-Alltag entscheidet
Ein Backlinkprofil ohne Nofollow-Anteil existiert in freier Wildbahn nicht. Verzeichnisse, Foren, Social-Profile, Pressemitteilungen, Wikipedia: Die Quellen, aus denen organische Erwähnungen kommen, attribuieren überwiegend nofollow oder ugc. Ein Profil, das zu hundert Prozent aus Dofollow-Links besteht, sieht aus wie gekauft, weil es das in aller Regel auch ist. Der Nofollow-Anteil ist deshalb kein Verlustposten, sondern ein Glaubwürdigkeitssignal, in derselben Logik wie eine breit gestreute Ankertext-Verteilung.
Für bezahlte Platzierungen ist die Lage seit dem Link Spam Update 2025 unmissverständlich: Laut der Analyse von iMark Infotech (August 2025) müssen Affiliate- und bezahlte Links korrekt mit sponsored oder nofollow attribuiert sein, andernfalls drohen linkbasierte Abwertungen. In Deutschland kommt die wettbewerbsrechtliche Ebene dazu: Die Kennzeichnungspflicht für Werbung (UWG) verlangt, dass bezahlte Inhalte für den Leser als solche erkennbar sind, völlig unabhängig davon, was im rel-Attribut steht. Ein Advertorial braucht also beides, die sichtbare Kennzeichnung für den Menschen und das Attribut für den Crawler. Wer Sponsored-Artikel von vornherein sauber deklariert einkauft, löst beide Ebenen in einem Schritt.
Auf der Einkaufsseite hat sich zugleich der Prüfmaßstab verschoben. PressWhizz berichtet in seiner Statistik-Auswertung 2026, dass Käufer nach Googles Vorgehen gegen Linknetzwerke im Jahr 2024 zunehmend verifizierbare Indexierung und echten Traffic verlangen, statt sich auf DR- oder DA-Werte zu verlassen. Das Attribut eines Links ist dabei nur ein Faktor unter mehreren. Die französischen Redaktionsmedien, die Nautilinks im Eigenbetrieb führt, sind aus genau diesem Grund transparent dokumentiert: Wer einen Link direkt beim Betreiber der Medien platziert, weiß vor der Buchung, welches Attribut er erhält und in welchem redaktionellen Umfeld der Link erscheint. Diese Transparenz ist keine Höflichkeit, sondern die Bedingung dafür, dass sich ein Linkkauf überhaupt seriös kalkulieren lässt.
Interne Links: warum Nofollow-Sculpting tot ist
Der hartnäckigste Irrtum betrifft interne Links. Googles John Mueller hat unmissverständlich klargestellt, dass Nofollow auf internen Links nichts für das PageRank-Sculpting bringt: Es hilft nicht, es kann Crawl-Budget verschwenden und Google verwirren. Interne Nofollows sparen also nichts. Und weil das Attribut nur noch ein Hinweis ist, hindert es den Googlebot nicht einmal zuverlässig daran, die Ziel-URL trotzdem zu crawlen.
Wie verbreitet der Altbestand ist, zeigt eine Auswertung von SEOJuice (April 2026): Bei über 12.000 zwischen 2024 und 2026 auditierten Websites trugen rund 8 % interne Nofollow-Links ohne erkennbare Funktion, meist Altlasten aus CMS-Plugins oder Überbleibsel aus der Sculpting-Ära. Aus eigener Audit-Erfahrung ist das Muster fast immer dasselbe: Niemand im Team weiß mehr, warum die Attribute gesetzt wurden, und niemand traut sich, sie zu entfernen.
Wer Crawling oder Indexierung steuern will, greift mit Nofollow zum falschen Werkzeug. Noindex entfernt eine Seite aus dem Index, die robots.txt steuert das Crawling, und Nofollow sagt lediglich etwas über die Beziehung zu einem Linkziel aus. Diese drei Mechanismen werden in Audits notorisch verwechselt, mit dem Ergebnis, dass Seiten im Index bleiben, die verschwinden sollten, und Crawl-Budget auf Pfade fließt, die niemand priorisiert hat.
Typische Fehler aus der Audit-Praxis
Fehler eins ist das pauschale Nofollow auf allen externen Links, meist aus diffuser Angst vor Autoritätsverlust. Google rät ausdrücklich dazu, die Attribute nur mit konkretem Grund einzusetzen, nicht flächendeckend (zusammengefasst etwa bei Opace, 2026). Ein Medium, das grundsätzlich niemandem eine Empfehlung ausspricht, verhält sich nicht wie ein redaktionelles Medium, und genau daran lässt es sich erkennen.
Fehler zwei ist die Gegenrichtung: Nofollow-Links kategorisch aus der Akquise auszuschließen. Ein Nofollow-Link von einer stark besuchten Seite bringt Besucher, Markenkontakte und Erwähnungen in Umfeldern, die Google ohnehin auswertet, und seit dem Hint-Modell potenziell auch Rankingsignale. Wer seine Linkakquise ausschließlich nach dem Attribut filtert, optimiert auf eine Dimension, die Google selbst relativiert hat, und zahlt dafür regelmäßig Aufpreise für Dofollow-Platzierungen auf schwächeren Domains.
Fehler drei ist das Ignorieren des eigenen Ist-Zustands. Ahrefs, Semrush und Moz filtern Backlinks nach Linktyp, der Abgleich des eigenen Nofollow-Anteils mit dem der direkten Wettbewerber ist eine Analyse von zehn Minuten, die trotzdem kaum jemand durchführt. Auffällig sind beide Extreme: ein Anteil nahe null genauso wie ein Profil, das fast ausschließlich aus Nofollow besteht.
Taktische Konsequenzen für 2026
Erstens: Die Attribute auf den eigenen Sites als Compliance-Thema behandeln, nicht als SEO-Hebel. Sponsored für Bezahltes, ugc für Nutzerinhalte, Nofollow für Verweise ohne Bürgschaft, kein Attribut für echte redaktionelle Empfehlungen. Zweitens: Beim Linkeinkauf das Attribut vor der Buchung klären und festhalten, denn nachträgliche Diskussionen mit Publishern gewinnt man selten. Drittens: Den Nofollow-Anteil im Monitoring genauso führen wie den Ankertext-Mix, mit Benchmark gegen die Wettbewerber statt gegen eine erfundene Idealquote.
Wer diese Disziplin nicht intern abbilden kann oder will, delegiert sie besser an Leute, die täglich Linkprofile kalibrieren, etwa im Rahmen einer extern gesteuerten Netlinking-Strategie. Denn Nofollow ist 2026 weder wertlos noch harmlos. Es ist eine der Stellschrauben, an denen sich entscheidet, ob ein Linkprofil nach gewachsenem Medienökosystem aussieht oder nach Tabellenkalkulation.
Nautilinks betreibt ein eigenes Netzwerk redaktioneller Medien. In-House verfasste Artikel, Transparenzhinweise beachtet, Ankertext-Mix kalibriert.
Häufige Fragen
Vererbt ein Nofollow-Link seit dem Hint-Modell messbar PageRank?
Google dokumentiert seit 2019 nur, dass die Attribute als Hinweise berücksichtigt werden können, nicht wann und in welchem Umfang. Isoliert messen lässt sich der Effekt eines einzelnen Nofollow-Links nicht, dafür sind zu viele Variablen im Spiel. Operativ heißt das: den möglichen Rankingbeitrag als Bonus behandeln, nie als Basis der Kalkulation. Der belastbare Wert eines Nofollow-Links liegt in Traffic, Sichtbarkeit und Profilnatürlichkeit.
Sponsored oder Nofollow für bezahlte Links: spielt die Wahl eine Rolle?
Google empfiehlt sponsored als das präzisere Signal für bezahlte Platzierungen, akzeptiert aber weiterhin Nofollow. Umgekehrt gilt das nicht: Ein sponsored-Attribut auf organisch entstandenen Links sendet ein falsches Signal. Seit dem Link Spam Update 2025 ist die eigentliche Risikofrage ohnehin nicht sponsored gegen nofollow, sondern attribuiert gegen nicht attribuiert. Bezahlte Links ganz ohne Kennzeichnung sind die Variante, die Abwertungen provoziert (iMark Infotech, August 2025).
Lohnt sich der gezielte Aufbau von Nofollow-Links?
Als eigenständiges Programm nein, als bewusst akzeptiertes Nebenprodukt ja. Erwähnungen in Foren, Verzeichnissen, Pressebereichen und Communities kommen naturgemäß mit Nofollow oder ugc, und genau diese Quellen erzeugen den Anteil, der ein Profil glaubwürdig macht. Wer solche Links aktiv ablehnt oder wegverhandelt, baut sich ein statistisch auffälliges Profil. Die Priorität bleibt trotzdem bei redaktionellen Links mit echtem Umfeld, das Attribut ist das zweite Kriterium, nicht das erste.
Kann ich mit Nofollow auf internen Links mein Crawl-Budget steuern?
Nein. Googles John Mueller hat klargestellt, dass Nofollow auf internen Links nicht beim PageRank-Sculpting hilft; es kann im Gegenteil Crawl-Budget verschwenden und Google verwirren. Und weil Nofollow nur ein Hinweis ist, kann Google die Ziel-URL trotzdem abrufen. Crawl-Steuerung gehört in die robots.txt, Index-Steuerung in noindex, und die interne Verlinkung sollte schlicht die tatsächlichen Prioritäten der Site abbilden.
Welcher Nofollow-Anteil ist in einem Backlinkprofil normal?
Eine allgemeingültige Quote lässt sich seriös nicht benennen, sie variiert stark nach Branche, Alter der Domain und Contentformat. Der praktikable Weg ist ein Benchmark: In Ahrefs oder Semrush den Linktyp-Filter auf das eigene Profil und auf drei bis fünf direkte Wettbewerber anwenden und die Anteile vergleichen. Handlungsbedarf signalisieren die Extreme, also ein Profil fast ohne Nofollow, was auf gekaufte Strukturen hindeutet, oder ein Profil fast ohne Dofollow.
Prüfen Sie Ihr Wissen
Quiz: Nofollow
1/3Seit wann behandelt Google rel=nofollow als Hinweis statt als strikte Direktive?