SEO-Glossar · Algorithmen

Google Spam Update

Als Google im März 2026 ein Spam Update in weniger als 24 Stunden global ausrollte, nachdem die August-Ausgabe 2025 noch knapp 27 Tage gebraucht hatte, war das die eigentliche Nachricht: die Spam-Klassifikation läuft inzwischen fast in Echtzeit. Wer Links aufbaut, muss präzise wissen, was diese Updates treffen, und vor allem, was nicht.

Auf einen Blick Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Ein Spam Update ist reine Policy-Durchsetzung, kein Qualitäts-Rebalancing: es produziert fast nur Verlierer. Wer nach einem Rollout Gewinne sieht, profitiert vom Verschwinden anderer, nicht von eigener Stärke.
  • Die Rollout-Dauer ist von knapp 27 Tagen (August 2025) auf unter 24 Stunden (März 2026) gefallen. Google kann Spam-Klassifikationen inzwischen quasi sofort durchdrücken, die Schonfrist zwischen Ankündigung und Wirkung existiert nicht mehr.
  • Das März-2026-Update hat laut Search Engine Land weder Link-Spam noch Site-Reputation-Abuse adressiert. Ein Ranking-Verlust in diesem Zeitraum als Linkproblem zu behandeln, ist eine Fehldiagnose mit teuren Folgen (panisches Disavowen).
  • Die im Mai 2026 aktualisierten Spam-Policies verlagern das reale Risiko von der klassischen Linkseite zur Contentseite: skalierter Low-Value-Content und geparkter Drittcontent auf starken Domains sind die Kategorien, in denen 2026 tatsächlich vollstreckt wird.
  • September 2025 ist ein Messbruch, kein Sichtbarkeitsverlust: nach der Abschaltung des num=100-Parameters verloren laut einer Auswertung über 319 Websites 87,7 % der Domains GSC-Impressionen, ohne dass reale Nutzer verschwanden. Dashboards annotieren, bevor man Ursachenforschung betreibt.
3 Fragen, um Ihr Wissen zu prüfen Erst lesen, das Quiz wartet am Seitenende.
Dreistufiger Prozess zur Messung der Wirkung eines Spam-Updates: die Grenzen des Rollouts notieren, die Monitoring-Dashboards annotieren, die Kurven über symmetrische Zeitfenster vergleichen.
Die Methode, um die Wirkung eines Spam-Updates auf Ihre Hosts und Ziele zu isolieren.

Was ein Spam Update wirklich ist, und was nicht

In der Praxis wird der Begriff ständig mit Core Updates in einen Topf geworfen, dabei sind es zwei völlig verschiedene Mechanismen. Ein Core Update gewichtet die Relevanz- und Qualitätssignale des gesamten Index neu, es produziert Gewinner und Verlierer in beide Richtungen. Ein Spam Update ist dagegen reine Durchsetzung: Google aktualisiert die Klassifikationsmodelle, die Verstöße gegen die dokumentierten Spam-Policies erkennen, und entzieht den erkannten Seiten Sichtbarkeit. Es gibt keine Belohnungsseite. Die SISTRIX-Analyse zum August-2025-Update beschreibt genau dieses Muster: begrenzte Bewegung im Gesamtmarkt, aber klare Sichtbarkeitsverluste bei eindeutig spammigen Domains, ein Vollstreckungsmuster mit Verlierern statt Gewinnern.

Das ist auch der Grund, warum die alte Penguin-Logik nur noch als historische Referenz taugt. Der Penguin-Algorithmus war ein dediziertes Link-Spam-System mit eigenen Update-Zyklen, inzwischen läuft er in Echtzeit im Kern mit. Die heutigen Spam Updates sind breiter: sie decken alle Policy-Kategorien ab, von gehackten Seiten über Cloaking bis zu skaliertem Content, und Google nennt bei den meisten Rollouts nicht einmal mehr die Zielkategorie. Wer also nach jedem Spam Update reflexartig sein Linkprofil seziert, arbeitet mit einem Modell von 2014.

Aus eigener Audit-Erfahrung ist die wichtigste Unterscheidung eine andere: algorithmische Abwertung durch ein Spam Update versus manuelle Maßnahme. Die eine kommt ohne Benachrichtigung, korreliert mit einem dokumentierten Rollout-Datum und korrigiert sich, wenn die Ursache behoben ist und ein weiteres Update läuft. Die andere steht in der Search Console und hat einen formalen Reconsideration-Prozess. Die Verwechslung der beiden führt zu monatelanger Arbeit am falschen Hebel.

Checkliste der fünf Prüfungen einer Host-Seite vor jedem Linkkauf: redaktionelles Muster, Publikationsrhythmus, Autoren, Traffic-Stabilität, Autorität zuletzt.
2026 bemisst sich das Risiko eines gekauften Links am Host, nicht am Link.

Die Update-Serie 2025/2026: schneller, häufiger, unspektakulärer

Die jüngste Serie liefert drei Datenpunkte, die zusammen ein klares Bild ergeben. Das August-2025-Spam-Update, von Google am 26. August 2025 angekündigt, war das erste seit Dezember 2024, galt global für alle Sprachen und brauchte knapp 27 Tage bis zum Abschluss am 22. September, so die Dokumentation bei Search Engine Land. Betroffene Sites sahen laut Branchenberichten teils innerhalb von etwa 24 Stunden Bewegung, mit einer zweiten Volatilitätswelle um den 9. September. Google nannte weder eine betroffene Query-Quote noch eine Spam-Kategorie.

Das März-2026-Update dagegen: global ausgerollt am 24. März, abgeschlossen am 25. März, Gesamtdauer unter 24 Stunden. Search Engine Land ordnet es als Standard-Update ein und hält explizit fest, dass Link-Spam und Site-Reputation-Abuse außerhalb des Geltungsbereichs lagen. Im Juni 2026 folgte das nächste: laut Googles Search Status Dashboard lief es vom 24. Juni, 09:00 Uhr PDT, bis zum 26. Juni, wieder ohne jede Kategorieangabe.

Drei Lesarten für den Praktiker. Erstens, die Frequenz zieht an: nach acht Monaten Pause zwischen Dezember 2024 und August 2025 kamen binnen zehn Monaten drei Updates. Zweitens, die Rollout-Verkürzung von 27 Tagen auf unter einen Tag heißt, dass die Klassifikations-Infrastruktur gereift ist; die Phase, in der man ein laufendes Update tagelang beobachten und interpretieren konnte, ist vorbei. Drittens, die Kommunikation wird bewusst unspezifischer. Google sagt nicht mehr, was gejagt wird, und genau deshalb ist die eigene Diagnosefähigkeit wichtiger geworden als jede offizielle Ankündigung.

Was die Spam-Policies für den Linkaufbau konkret bedeuten

Die verbindliche Referenz ist nicht das einzelne Update, sondern die Policy-Seite, die Google zuletzt am 15. Mai 2026 aktualisiert hat. Dort steht als Link-Spam definiert: Kauf oder Verkauf von Links zur Ranking-Manipulation, exzessive Linktausch-Programme, automatisierte Linkerzeugung, minderwertige Verzeichnisse, keyword-optimierte Anker in Gastbeiträgen und Pressemitteilungen, verteilte Footer- und Template-Links sowie Forenkommentare mit optimierten Ankern. Bezahlte Platzierungen sind dabei nicht per se verboten: Google verlangt, dass die Ranking-Wirkung per rel=nofollow oder rel=sponsored blockiert wird. Das ist die formal sauberste Position, und jeder in diesem Markt weiß, dass die reale Netlinking-Industrie anders arbeitet. Ehrlich ist, beides auszusprechen: wer Links mit Ranking-Wirkung erwirbt, operiert außerhalb der Policy und managt ein Risiko, keinen Freifahrtschein.

Die eigentliche Verschiebung von 2026 steht aber woanders in dem Dokument. Die Policies führen skalierten Content-Missbrauch unabhängig von der Produktionsmethode als eigene Kategorie, dazu Site-Reputation-Abuse, also Drittcontent, der primär die Ranking-Signale einer etablierten Domain ausbeutet, und ausdrücklich auch die Umgehung über neue Subdomains oder Verzeichnisse. Für eine Netlinking-Operation heißt das: das größte Risiko 2026 ist nicht der einzelne gekaufte Link, sondern der Zustand der Domain, die ihn trägt. Ein Link von einer Site, die wegen skaliertem KI-Füllcontent oder vermietetem Verzeichnis abgewertet wird, verliert seinen Wert mit ihr. Deshalb gehört zur Due Diligence vor jeder Buchung, die Hosts nach Traffic-Verlauf und redaktioneller Substanz zu filtern, nicht nur nach DR oder Trust Flow. Eine Metrik überlebt ein Spam Update problemlos, ein totes Medium nicht.

Vergleich in zwei Spalten: Das Core Update bewertet die Relevanz des gesamten Index neu und verteilt die Positionen um, das Spam Update rollt eine Erkennung aus, die spammige Seiten aus dem Spiel nimmt.
Zwei Update-Familien, die in den SERPs nicht dieselbe Arbeit leisten.

Fehldiagnosen: wenn das Spam Update gar nicht der Täter war

Der teuerste Fehler, den wir in Audits sehen, ist die reflexhafte Attribution: Sichtbarkeit fällt, ein Spam Update lief im selben Monat, also war es das Spam Update, also müssen Links weg. Die Serie 2025/2026 liefert zwei Lehrstücke, warum das schiefgeht.

Erstens der September 2025. Mitten in die Endphase des August-Updates fiel Googles Abschaltung des num=100-Parameters, mit dem Rank-Tracker 100 Ergebnisse pro SERP-Abruf ziehen konnten. Eine Auswertung über 319 Websites ergab, dass danach 87,7 % der Domains Search-Console-Impressionen und 77,6 % einzelne rankende Suchbegriffe verloren, sehr wahrscheinlich, weil scraper-generierte Impressionen aus tiefen Ergebnispositionen verschwanden, nicht weil reale Nutzer wegblieben. Wer diesen Messbruch nicht in seinen Dashboards annotiert hat, diagnostiziert bis heute einen Sichtbarkeitsverlust, den es nie gab, und schreibt ihn dem Spam Update zu, das zufällig zeitgleich endete.

Zweitens der März 2026. Da Link-Spam laut Search Engine Land explizit außerhalb des Update-Scopes lag, ist jede Reaktion auf einen Ranking-Verlust in diesem Zeitfenster, die mit dem Disavow-Tool beginnt, methodisch falsch. Ein hektisch eingereichtes Disavow-File entwertet auch die Links, die tragen, und diese Selbstverstümmelung sehen wir häufiger als echte Link-Penalties. Die saubere Diagnose geht andersherum: exaktes Datum des Einbruchs gegen die dokumentierten Rollout-Fenster legen, betroffene Seiten und Queries in der Search Console segmentieren, Messartefakte ausschließen, und erst dann über die Ursache reden. Drei Tage Analyse sind billiger als drei Monate Arbeit am falschen Problem.

Taktische Konsequenzen für eine Netlinking-Operation

Was folgt daraus für den, der 2026 aktiv Links aufbaut? Zunächst eine Entwarnung mit Bedingung: kein Update der Serie 2025/2026 war ein dediziertes Link-Spam-Update, und die messbaren Verluste konzentrierten sich laut SISTRIX auf eindeutig spammige Domains. Ein Linkprofil aus redaktionell platzierten Links auf echten Medien mit echtem Traffic hat diese Updates kommentarlos überstanden. Das deckt sich mit dem, was wir im Eigenbetrieb beobachten: über die französischen Redaktionsmedien, die wir selbst führen, ist der praktische Effekt eines Spam Updates vor allem ein Gesundheitscheck der Hosts, nicht ein Risiko für einzelne Links.

Operativ heißt das dreierlei. Erstens, die Auswahlkriterien verschieben: nicht die Metrik des Hosts prüfen, sondern seine Angreifbarkeit unter den Policy-Kategorien vom Mai 2026, also skalierter Content, vermietete Verzeichnisse, sterbende Redaktion. Zweitens, Anker-Disziplin halten, denn keyword-optimierte Anker in Gastbeiträgen stehen wörtlich in der Policy; wer seine Ankertexte wie 2015 verteilt, baut die Beweislast gegen sich selbst auf. Drittens, das Budget an der Haltbarkeit ausrichten statt am Stückpreis: ein Link, der das nächste Spam Update übersteht, ist billiger als drei, die mit ihren Hosts untergehen. Eine realistische Vorstellung davon, was ein redaktionell vergebener Link im Einkauf tatsächlich kostet, gehört deshalb an den Anfang der Planung, nicht ans Ende.

Und schließlich: Monitoring institutionalisieren. Die Rollout-Fenster (26. August bis 22. September 2025, 24. bis 25. März 2026, 24. bis 26. Juni 2026) gehören als Annotationen in jedes Reporting, genauso wie der Messbruch vom September 2025. Ein Team, das seine Daten sauber annotiert, erkennt in einer Stunde, ob ein Einbruch ein Update, ein Artefakt oder ein hausgemachtes Problem ist. Ein Team ohne Annotationen debattiert eine Woche und disavowt dann das Falsche.

In die Praxis umsetzen?

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Benoit Demonchaux Gründer · Nautilinks

Gründer und Betreiber von Nautilinks. Redigiert und schreibt das redaktionelle Glossar der Website sowie die Inhalte, die im Nautilinks-Netzwerk redaktioneller Medien veröffentlicht werden.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich einen Spam-Update-Treffer von einem Core-Update-Verlust?

Über Datum und Muster. Ein Spam-Update-Treffer korreliert exakt mit einem dokumentierten Rollout-Fenster und ist fast immer ein scharfer, breiter Einbruch über die ganze Domain, oft bis zur Deindexierung einzelner Bereiche. Core-Update-Verluste sind gradueller, treffen bestimmte Seitentypen oder Query-Cluster und lassen Gewinner im selben Markt erkennen. Erst die Fenster abgleichen (August 2025, März 2026, Juni 2026), dann in der Search Console nach Seiten und Queries segmentieren, dann urteilen.

Das März-2026-Update hat Link-Spam nicht adressiert. Sind gekaufte Links damit sicher?

Nein, es heißt nur, dass diese eine Vollstreckungswelle andere Kategorien betraf. Die Policy vom 15. Mai 2026 führt Kauf und Verkauf von Ranking-Links weiterhin explizit als Verstoß, und die Durchsetzung läuft algorithmisch wie manuell weiter. Die richtige Schlussfolgerung ist enger: ein Ranking-Verlust im März 2026 war mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Linkproblem, und eine Disavow-Reaktion darauf war die falsche Therapie.

Meine Impressionen sind im September 2025 eingebrochen. War das das Spam Update?

Wahrscheinlich nicht. Im September 2025 schaltete Google den num=100-Parameter ab, und laut einer Auswertung über 319 Websites verloren danach 87,7 % der Domains GSC-Impressionen, weil scraper-erzeugte Impressionen aus tiefen Positionen wegfielen. Prüfen Sie, ob Klicks und durchschnittliche Position stabil blieben, während nur Impressionen fielen: dann ist es der Messbruch, nicht das Update, das zeitgleich am 22. September endete.

Sollte ich nach jedem Spam Update ein Disavow-File einreichen?

Nein, und diese Reflexhandlung richtet regelmäßig mehr Schaden an als das Update selbst. Ein Disavow ist sinnvoll bei einer manuellen Maßnahme wegen unnatürlicher Links oder bei einem dokumentierten, massiven toxischen Linkbestand. Wer nach einem Update disavowt, das laut Search Engine Land Link-Spam gar nicht umfasste, entwertet im Zweifel funktionierende Links.

Was bedeutet Site-Reputation-Abuse für Medien, die Linkplätze verkaufen?

Es ist die Kategorie, die 2026 am direktesten auf das Geschäftsmodell vieler Hosts zielt: Drittcontent, der primär die Ranking-Signale einer etablierten Domain ausnutzt, etwa vermietete Verzeichnisse oder eingekaufte Content-Sektionen ohne redaktionelle Verankerung. Für den Linkkäufer heißt das, Hosts zu meiden, deren Sponsored-Bereiche wie Fremdkörper wirken. Ein Medium, dessen bezahlte Artikel redaktionell integriert sind, trägt dieses Risiko deutlich weniger.

Quiz

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Quiz: Google Spam Update

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Wie lange dauerte der Rollout des März-2026-Spam-Updates im Vergleich zum August-2025-Update?

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