- →Der entscheidende Unterschied zwischen 301 und 302 ist die Kanonisierung, nicht ein angeblicher Prozentsatz verlorener Linkkraft: Google folgt beiden, nutzt aber nur die permanente Variante als Signal, dass das Ziel die Quelle im Index ersetzen soll.
- →Ein Backlink, der auf eine 302 zeigt, konsolidiert weiter auf die Quell-URL. Bei Kampagnen, deren Ziel-URL sich später ändern soll, ist das der teuerste Fehler, weil er erst Monate später in den Rankings sichtbar wird.
- →Kein bestätigtes Google-Update zwischen August 2025 und August 2026 hat die Behandlung von 302 verändert. Wer eine Sichtbarkeitsdelle nach dem März- oder Mai-2026-Core-Update auf Redirects schiebt, sucht an der falschen Stelle.
- →302 innerhalb einer Redirect-Kette ist immer ein Untersuchungsfall: meist eine vergessene Kampagnenregel, ein Geo- oder Device-Routing oder eine Testkonfiguration, die nie zurückgebaut wurde.
- →Ahrefs empfiehlt in seiner Site-Audit-Dokumentation vom 31. Oktober 2025, interne Links direkt auf die Endadresse zu setzen und Ketten auf unter fünf Weiterleitungen zu begrenzen. Das ist ein brauchbarer Grenzwert, kein Naturgesetz.
- →Nach dem Wegfall des Parameters num=100 im September 2025 sind Impressionsvergleiche in der Search Console kein Beleg mehr für Redirect-Schäden. Bewerten Sie stattdessen Klicks, indexierte URLs, Canonical-Auswahl und Logfiles.
Was eine 302 wirklich ist, jenseits der Wörterbuchzeile
Der Statuscode 302 (Found) teilt dem Client mit: die Ressource ist im Moment woanders erreichbar, die angefragte Adresse bleibt aber die gültige. Für einen Browser ist das folgenlos, er springt weiter und niemand merkt etwas. Für die Indexierungspipeline von Google ist es dagegen eine Aussage über Zuständigkeit. Die Quell-URL behält ihren Platz im Index, das Ziel erbt ihn nicht. Genau dieser Unterschied kostet in der Praxis Geld, nicht der viel zitierte Prozentsatz angeblich verlorener Linkkraft.
Die Erzählung vom Wertverlust stammt aus einer Zeit, in der Weiterleitungen tatsächlich mit einem Dämpfungsfaktor modelliert wurden. Sie hat sich in Agenturchecklisten festgesetzt und wird bis heute weitergereicht, obwohl die offizielle Dokumentation von Google die Sache anders sortiert: 301 und 308 gelten als permanent und werden als Signal für die kanonische Auswahl verwendet, 302, 303 und 307 werden zwar befolgt, liefern aber kein Kanonisierungssignal. Wer also behauptet, eine 302 vernichte Linkkraft, formuliert eine Aussage, die Google in dieser Form nirgends macht. Wer behauptet, sie sei folgenlos, ignoriert die eigentliche Konsequenz.
Technisch lohnt die Präzision noch an einer Stelle. 302 stammt aus HTTP/1.0 und wurde von vielen Clients so interpretiert, dass ein POST beim Folgen in ein GET umgewandelt wird. HTTP/1.1 hat das mit 303 (immer GET) und 307 (Methode und Body bleiben erhalten) sauber getrennt. Für die Suchmaschine spielt diese Unterscheidung kaum eine Rolle, für Formulare, Checkouts und APIs sehr wohl. Wenn Sie ein technisches Team beraten, ist 307 fast immer die korrektere temporäre Antwort, 302 dagegen der historisch gewachsene Standardwert vieler Frameworks und Load Balancer.
Wie Google 2026 tatsächlich damit umgeht
Die Search-Central-Dokumentation zu Weiterleitungen ist eindeutig: Googlebot folgt einer temporären Weiterleitung, verwendet sie aber nicht als Hinweis darauf, dass das Ziel kanonisch werden soll, und die Quell-URL kann indexiert bleiben. Praktisch heißt das, Google trifft die Kanonisierungsentscheidung trotzdem, nur eben ohne dieses Signal. Bei identischem Inhalt auf Quelle und Ziel kann das Ergebnis am Ende dasselbe sein wie bei einer 301, es ist nur nicht angeordnet, sondern erraten. Auf einer Handvoll URLs geht das gut. Auf einer Migration mit vierstelliger URL-Zahl ist Raten kein Verfahren.
Wichtig für die Einordnung von Sichtbarkeitsverlusten: zwischen August 2025 und August 2026 gab es keine bestätigte Änderung an der Redirect-Behandlung. Das Dezember-2025-Core-Update lief vom 11. bis 29. Dezember 2025, das März-2026-Core-Update vom 27. März bis 8. April 2026, das Mai-2026-Core-Update vom 21. Mai bis 2. Juni 2026. Alle drei waren breite Ranking-Updates. Keine der Ankündigungen erwähnt eine Neubewertung temporärer Weiterleitungen. Wenn also ein Kunde nach dem Mai-Update Rankings verliert und im selben Zeitraum eine 302 in der Kette entdeckt wird, ist die Kette ein Hygieneproblem, nicht die Ursache der Delle.
Dazu kommt eine Messfalle, die viele Analysen seit 2025 verzerrt. Mit der Abschaltung des Parameters num=100 im September 2025 sanken in der Search Console die ausgewiesenen Impressionen für schwächer platzierte Ergebnisse, während die Durchschnittsposition optisch besser wurde. Das war eine Änderung an der Messung, nicht am Ranking. Wer Redirect-Effekte über Impressionen bewertet, misst seitdem hauptsächlich diesen Bruch. Belastbar sind Klicks, die tatsächlich indexierten Quell- und Ziel-URLs, die von Google gewählte Canonical, Googlebot-Anfragen im Serverlog und die Verteilung der verweisenden Domains auf Quelle und Ziel.
Wo die 302 im Netlinking-Betrieb wehtut
Im Linkaufbau wird die Sache konkret. Ein Backlink zeigt auf eine URL, die mit 302 antwortet. Google folgt, findet das Ziel, konsolidiert die Signale aber weiter um die Quelle herum. Solange Quelle und Ziel demselben Projekt gehören und die Quelle die Seite ist, die ranken soll, ist das unproblematisch. Sobald die Quelle eine Kampagnen-URL, eine alte Domain oder ein Tracking-Einstieg ist, sitzt die erworbene Autorität auf einer Adresse fest, die niemand ausbauen wird. Das ist der Grund, warum wir bei jeder Linkplatzierung die Zieladresse vorher mit einem Statuscheck prüfen und nicht nur im Browser aufrufen.
Ketten verschärfen das. Ahrefs klassifiziert in seiner am 31. Oktober 2025 aktualisierten Site-Audit-Hilfe bereits eine Abfolge wie 301 auf 301 auf 200 als Redirect-Kette, auch wenn am Ende korrekt ausgeliefert wird. Die Empfehlung lautet, interne Links direkt auf die Endadresse zu setzen, Ketten wo möglich auf eine einzige 301 zu flachen und dort, wo sie unvermeidlich sind, unter fünf Weiterleitungen zu bleiben. Für Linkaufbau ist das relevant, weil über mehrere Rebrandings, Migrationen und CMS-Wechsel hinweg genau solche Ketten entstehen. Ein Link aus 2019 zeigt dann auf eine Adresse, die über drei Stationen irgendwo landet, und eine dieser Stationen ist eine 302, die vor Jahren für einen Test gesetzt wurde.
Auf der Verkäuferseite gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Wer Beiträge auf fremden Medien platziert, sollte wissen, ob der ausgehende Link direkt zeigt oder über einen Redirector läuft, der mit 302 antwortet. Bei den französischen Redaktionsmedien, die wir bei Nautilinks im Eigenbetrieb führen, ist das eine feste Kontrolle vor der Veröffentlichung: kein Zwischenschritt, kein Tracking-Sprung, der Link steht so im HTML, wie er wirken soll. Wenn Sie den Medienkatalog vor einer Bestellung selbst durchsehen, prüfen Sie bei fremden Anbietern genau diesen Punkt, bevor über Metriken gesprochen wird. Und wenn ein Anbieter Ihnen erklärt, ein 302-Redirector sei für die Weitergabe egal, dann verwechselt er das Weiterreichen von PageRank mit der Kanonisierung, die er gerade verhindert.
Der letzte Punkt betrifft das Budget. Eine Kampagne, deren Links auf eine temporär weitergeleitete Landingpage laufen, produziert Autorität für eine URL, die im Zielbild gar nicht vorkommt. Das ist keine kleine Ungenauigkeit, das ist der komplette Gegenwert der Platzierung. Bevor Sie also überlegen, was eine Platzierung im Netzwerk kostet, klären Sie, welche URL am Ende der Kette steht und ob sie dauerhaft dort bleibt.
Häufige Fehler, die wir in Audits sehen
Der Klassiker ist die Migration mit Standardkonfiguration. Viele Frameworks, Reverse Proxies und Plugins setzen 302 als Voreinstellung, weil das für Anwendungslogik der sichere Wert ist. Die Umstellung auf permanent wird beim Livegang vergessen, das Setup funktioniert für Nutzer tadellos, und drei Monate später wundert sich jemand, warum alte URLs immer noch im Index stehen. Ein Blick in die Statuscodes hätte das am Tag eins geklärt. Hier gehört eine dauerhafte Weiterleitung auf die neue Adresse hin, kombiniert mit aktualisierten internen Links, Sitemaps und Kampagnen-URLs.
Der zweite Fehler ist die Verwechslung von Weiterleitung und Kanonisierung. Wenn zwei URLs beide erreichbar bleiben sollen, etwa eine Filterseite und ihre Basisvariante, ist eine 302 die falsche Antwort. Dafür gibt es das Canonical-Tag im Quelltext, das genau diese Aussage ohne Umleitung trifft. Eine 302 sagt: geh woanders hin, aber merk dir mich. Ein Canonical sagt: bleib hier, aber zähl es dort. Wer das mischt, produziert genau die uneindeutige Lage, in der Google eine eigene Entscheidung trifft.
Der dritte Fehler ist Geo- und Device-Routing, das für Crawler nicht sauber definiert ist. Eine 302 vom internationalen Einstieg auf die deutsche Version klingt harmlos, führt Googlebot aus einem US-Rechenzentrum aber systematisch an derselben Stelle vorbei und lässt sprachspezifische Seiten unentdeckt. Wenn Ihre Sprachversionen sauber über hreflang ausgezeichnet sind, brauchen Sie keine Weiterleitung, sondern eine Auswahl, die dem Nutzer angeboten und nicht aufgezwungen wird.
Der vierte Fehler ist die 302 als vermeintlicher Schutz. Immer wieder trifft man auf die Idee, ausgehende Links über eine temporäre Weiterleitung zu führen, um Linkkraft zurückzuhalten. Das ist eine Erfindung aus der Zeit des Sculptings und funktioniert nicht: die Weiterleitung wird befolgt, sie hält nichts zurück, sie verwischt nur die Zuordnung. Für die bewusste Steuerung, wohin die weitergegebene Linkkraft fließt, gibt es interne Verlinkung und Attributwerte, keine Statuscodes.
Praxiskontrollen für den Arbeitsalltag
Die Grundprüfung dauert Sekunden: ein Aufruf mit curl und der Option zum Folgen der Weiterleitungen, ausgegeben werden alle Zwischenstationen mit Statuscode. Wenn dort etwas anderes als eine einzige 301 auf die Endadresse steht, gibt es Klärungsbedarf. Für den Bestand skaliert das über einen Crawler. Screaming Frog erkennt temporäre und permanente Weiterleitungen, Ketten und Schleifen bereits in der kostenlosen Version bis 500 URLs, die unbegrenzte Lizenz liegt derzeit bei 199 Pfund pro Jahr, aktuell ausgewiesene Version ist v24.3. Für Migrationsprüfungen lässt sich eine Liste alter URLs direkt hochladen und gegen die neuen Ziele laufen.
Bei Linkprofilen führt der Weg über den Backlink-Export. Nehmen Sie die verweisenden Ziel-URLs, prüfen Sie sie als Liste auf ihren Statuscode und sortieren Sie nach Anzahl verweisender Domains. Was oben steht und mit 302 antwortet, wird zuerst korrigiert. Danach passen Sie Ihre eigenen Kampagnenlinks an, damit neue Platzierungen nicht in dieselbe Kette laufen. Ein sinnvoller Kontrollpunkt ist die Frage, ob die von Google gewählte kanonische URL in der Search Console mit der Adresse übereinstimmt, auf die Ihre Links zeigen. Weicht sie ab, haben Sie den Beleg, dass die Weiterleitungslogik nicht das tut, was das Konzept vorsieht.
Und behalten Sie die Ausnahme im Blick, in der die 302 richtig ist: eine echt temporäre Lage. Ein Produkt ist zwei Wochen nicht lieferbar und zeigt auf die Kategorie, eine Kampagnenseite läuft im September und danach nicht mehr, ein Server ist im Wartungsfenster. In all diesen Fällen wollen Sie ausdrücklich, dass die Quell-URL im Index bleibt, weil sie zurückkommt. Wer 302 nur deshalb meidet, weil irgendeine Checkliste sie als schädlich führt, ersetzt eine korrekte Aussage durch eine falsche und wundert sich später, warum saisonale Seiten jedes Jahr neu erkämpft werden müssen.
Nautilinks betreibt ein eigenes Netzwerk redaktioneller Medien. In-House verfasste Artikel, Transparenzhinweise beachtet, Ankertext-Mix kalibriert.
Häufige Fragen
Verliert eine 302 wirklich keine Linkkraft?
Google beschreibt in seiner Dokumentation keinen Dämpfungsfaktor für temporäre Weiterleitungen und hat mehrfach erklärt, dass PageRank über 30x-Antworten fließen kann. Der dokumentierte Unterschied liegt bei der Kanonisierung: eine 302 wird befolgt, gilt aber nicht als Signal, dass das Ziel die Quelle im Index ersetzen soll. Für Linkaufbau ist das die teurere Konsequenz, weil sich Autorität um eine URL herum sammelt, die im Zielbild keine Rolle spielt.
Wie lange darf eine 302 nach einer Migration stehen bleiben?
Kein Tag. Eine Migration ist definitionsgemäß permanent, also gehört dort eine 301 oder 308 hin, direkt auf die Endadresse und ohne Zwischenstation. Wenn beim Livegang aus technischen Gründen zunächst 302 ausgeliefert wird, setzen Sie ein hartes Zeitfenster von wenigen Stunden und prüfen anschließend eine Stichprobe der wichtigsten URLs im Serverlog und in der Search Console auf die tatsächlich gewählte kanonische Adresse.
302 oder 307 für einen temporären Fall?
Für Suchmaschinen behandelt Google beide gleich: befolgen, aber nicht kanonisieren. Der Unterschied liegt im Protokollverhalten. Bei 302 wandeln viele Clients ein POST beim Folgen in ein GET um, bei 307 bleiben Methode und Body erhalten. Wenn Formulare, Checkouts oder APIs betroffen sind, ist 307 die korrektere Antwort. Bei rein redaktionellen URLs ist die Wahl aus SEO-Sicht folgenlos.
Kann eine 302 in der Kette ein Ranking-Problem nach einem Core Update erklären?
Sehr selten. Zwischen August 2025 und August 2026 hat keine bestätigte Google-Ankündigung eine Änderung an der Redirect-Behandlung erwähnt, weder beim Dezember-2025-, März-2026- noch beim Mai-2026-Core-Update. Eine 302 in einer Kette ist ein Hygienebefund, den Sie ohnehin beheben sollten, aber als Ursache einer Sichtbarkeitsdelle nach einem breiten Update ist sie eine Verlegenheitserklärung. Suchen Sie zuerst bei Inhalt, Intent und Wettbewerbsumfeld.
Wie prüfe ich, ob meine Backlinks auf weitergeleitete URLs zeigen?
Exportieren Sie aus Ihrem Backlink-Tool die Zielseiten-URLs, laden Sie diese Liste in einen Crawler im Listenmodus und lassen Sie Statuscode plus vollständige Weiterleitungskette ausgeben. Sortieren Sie das Ergebnis nach Anzahl verweisender Domains, korrigieren Sie die stärksten Fälle zuerst auf eine direkte 301 und aktualisieren Sie danach interne Links und Sitemaps, damit keine neue Kette entsteht.
Gibt es Fälle, in denen 302 die richtige Wahl ist?
Ja, immer dann, wenn die Quell-URL zurückkommen soll: kurzfristig nicht lieferbare Produkte, Kampagnenseiten mit Enddatum, Wartungsfenster, A/B-Tests mit begrenzter Laufzeit. In diesen Fällen ist es erwünscht, dass die ursprüngliche Adresse indexiert bleibt. Wer hier reflexhaft eine 301 setzt, drängt die eigene Seite aus dem Index und muss die Position nach der Rückkehr neu erarbeiten.
Prüfen Sie Ihr Wissen
Quiz: 302-Weiterleitung
1/3Worin besteht laut Google-Dokumentation der zentrale Unterschied zwischen 301 und 302?